Oktober-Leseprobe

aus Band 1 (Herausgefordert): Arlett erinnert sich. Wie fing es an, dass da im Kopf diese Unruhe ist?

Arletts Beichte, beim ersten Treffen mit Liam


„Erzähle mir bitte etwas über deinen Weg, den du auf diesen Gebiet bisher hinter dir hast. Deine Fantasien oder Erlebnisse und gern auch Erfahrungen, falls es welche gibt.“

Es schien, als ob sie meine Frage nicht unerwartet getroffen hatte. Dennoch kämpfte sie etwas mit ihren Hemmungen. Sie verstand es gut, sich trefflich zu artikulieren. Ihre Mimik verriet Selbstbewusstsein, andererseits aber auch etwas Unsicherheit. Dennoch begann sie nach einem tiefen Seufzer zu erzählen.

„Ich bin in einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen groß geworden. Meine Eltern konnten mir ein wohlbehütetes Leben mit vielen Annehmlichkeiten bieten. Dennoch zog es mich immer wieder in Kreise von Freunden oder in Situationen, in denen ich eben nicht so wohlbehütet war. Wo was los war, wo Action war und wo es aufregend war. So rauchte ich mit den Jungs manchmal hinter dem Schulgebäude oder trieb mich rum, um Blödsinn zu machen. Während einer Klassenreise waren wir mit unserer Clique während unserer Freizeit in die benachbarten Wälder gezogen. Wir haben einander gejagt und gefangen genommen. So kam es, dass ich im zarten Alter von zwölf Jahren das erste Mal von Jungs an einen Baum gefesselt wurde. Ich hatte mich zuvor gut versteckt und hatte mich auch gut verteidigt, so gut es ging. Aber dann, als ich hilflos an diesen Baum stand, fühlte ich etwas ganz Merkwürdiges. Diese Jungs waren bis auf ein paar Neckereien nicht wirklich gemein zu mir, dennoch sollte ich doch eigentlich Angst haben oder mich zumindest unwohl fühlen. Aber das wurde von einem anderem, einem aufregenden Gefühl überschattet.“

Bereits nach den ersten Sätzen hatte Arlett ihre Unsicherheit verloren und erzählte flüssig und lächelnd, als sie sich an das Vergangene erinnerte. Ich lauschte ihrer Story mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Ich hatte zuvor bereits einige Geschichten von den devoten Anfängen einiger Damen gehört, aber so authentisch und nachvollziehbar hatte bislang keine dieser Damen ihre Geschichte begonnen. Es war fast so, als wäre ich dabei. Ich lächelte, als ich nach ihrer Deutung dieses Gefühls fragte. Sie antwortete:

„Natürlich konnte ich es nicht deuten. Ich war aber schon damals rebellisch genug, es weiter erforschen zu wollen. Ich fühlte mich ja nicht tatsächlich bedroht. Das Spiel im Wald hatte offensichtlich noch einige weitere Fans, jedenfalls wurde es am darauffolgenden Tag gleich noch einmal gespielt. Diesmal zog ich mir ein kariertes Freizeithemd an, ließ die obersten Knöpfe offen und trug auch nichts drunter. Ich war damals für mein Alter schon recht weit entwickelt. Ich lief, als ich gejagt wurde, auch nicht mehr ganz so schnell weg und leistete auch weniger Gegenwehr. Also geriet ich wie gewünscht bald in Gefangenschaft. Diesmal wurde ich aber nicht an einem Baum gefesselt. Stattdessen banden mir die Jungs meine Hände an einem dicken abgebrochenen Aststück fest, das ich im Genick tragen musste. So wurde ich abgeführt. Das war aufregend und ich hatte Herzklopfen. Timmi, einer der Jungs, wollte die Situation ausnutzen und ließ keine Gelegenheit ungenutzt, um mir in den Ausschnitt zu schauen und schließlich begann er auch, an meinen Hemdsknöpfen zu fummeln und meine Brust zu berühren. Eine Freundin, die ebenfalls zum anderen Team gehörte, faltete ihn daraufhin nach Strich und Faden zusammen und da keiner der anderen Jungs wagte, Timmi zu unterstützen, unterließ er es auch. Diese blöde Kuh!“

Mit entfuhr ein kurzer Lacher, für den ich mich augenblicklich hätte ohrfeigen können. Ich kassierte auch einen kurzen eindringlichen Blick von Arlett, aber sie lächelte und vollendete ihre Geschichte: „Als mich meine Eltern zum Ende der Klassenreise abholten und wir nach Hause fuhren, rollte ich mich hinten im Auto mit rotem Kopf auf der Sitzbank hin und her. Meine Eltern fragten schon, ob es mir gut gehe. Aber es ging mir gut.“ Sie lächelte wieder etwas süffisant und dachte kurz nach.

„In meiner Jugend und während meines Studiums passierte nichts nennenswert Praktisches mehr auf diesem Gebiet. Gelegentlich las ich erotische Literatur und genoss auf besondere Weise Filmszenen mit Fesselungs- und BDSM-Szenen. Aber in meinem Kopfkino hatte ich immer wieder Fantasien mit Unterwerfungen, Demütigungen und vor allem Fesselungen. Leider hatte mein Ex-Freund mit BDSM nichts am Hut. Noch nicht einmal Plüschhandschellen, die ich, nebenbei gesagt, peinlich finde.“

Sie seufzte und genehmigte sich einen Schluck von ihrem Wodka-Orange, der dadurch leer wurde. Ich bestellte umgehend und ungefragt einen Weiteren. Sie nickte kurz lächelnd als Zeichen des Einverständnisses. „Leider hat die Beziehung mit meinem Freund nicht lange das Studienende überlebt. Leider, weil es ansonsten sehr schön war. Und deshalb machte ich Kompromisse, was meinen geheimen Wunsch, SM einmal auszuprobieren und vielleicht zu leben, angeht. Nun aber, ist der Grund für diesen Kompromiss weggefallen.“

Etwas verblüfft über so viel einleuchtende Logik, lauschte ich eine kurze Zeit, ob Arlett noch etwas hinzufügen wollte. „Danke für deine Offenheit und für deine Geschichte, die ich genial finde“, lobte ich, schaute Arlett in die Augen und nickte anerkennend. Ich glaubte ihr. Ich vermutete in ihr ein gewaltiges Potential, welches in ihr schlummerte und nur darauf wartete, von mir wachgeküsst zu werden. Oder wachgepeitscht? Ich grinste bei dem Gedanken etwas in mich hinein. Das klang sehr sehr vielversprechend.

Sie ist sicherlich einer der geheimnisvollsten Charaktere der Handlung. 26 Jahre jung, gut aussehend und mit messerscharfer Intelligenz, die sie unter dem Schleier eines meist etwas zurückhaltenden und reservierten Wesens versteckt. Wer sie unterschätzt, darf sich warm anziehen. Ihre gehobene berufliche Stellung hat sie sich hart erarbeitet - und das NICHT im Bett.

Schwächen: manchmal übertrieben ehrgeizig und manchmal leicht aufbrausend. Der Umgang mit ihr stellt Liam vor echte Herausforderungen ...

Arlett

Arlett


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